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Internationaler Arbeitskreis 

für Verantwortung in der Gesellschaft e.V.

International Working Group for Responsibility toward Society
Международная рабочая група «Ответственность в обществе»
Geschäftsstelle:  Dr.Hans Penner  D-76351 Linkenheim-H - E-Mail: hanspenner@gmx
.de  


 

IAVG-Internet-Dokumentationen
Gründungsansprache am 23. Januar 1999

www.iavg.org/gruendung.htm / Stand: 05.07.2005

 

Da trat ein neuer König die Herrschaft über Ägypten an,
der Joseph nicht mehr kannte (2. Mose 1 Vers 8).          

Liebe Gründungsmitglieder,
die Bundesrepublik Deutschland wurde vor 50 Jahren von einer Generation gegründet und aufgebaut, die durch Krieg, Hunger und Not geläutert worden war. Dr. Konrad Adenauer, der erste Kanzler unserer Republik faßte die Atmosphäre des Anfangs in seinen Lebenserinnerungen in folgende Worte:
"Aus der religionsfeindlichen Haltung des Nationalsozialismus und ihren Folgen hatten wir klar erkannt, daß der Mensch für sein Leben eine ethische Grundlage braucht. Wir faßten unsere grundsätzliche Auffassung wie folgt zusammen:
»Die christliche Grundlage der demokratischen Union ist das absolut Notwendige und Entscheidende. An die Stelle der materialistischen Weltanschauung, wie wir sie unter dem Nationalsozialismus erlebt hatten, soll wieder die christliche Weltanschauung treten; an die Stelle der sich aus dem Materialismus ergebenden Grundsätze die Grundsätze der christlichen Ethik. Sie sollen bestimmend sein für den Wiederaufbau des Staates und die Abgrenzung seiner Macht, für die Rechte und Pflichten der Einzelperson, für wirtschaftliches und soziales Leben, für das Verhältnis der Völker zueinander.
Die christliche Wertauffassung allein gewährleistet Recht, Ordnung und Maß, Würde und Freiheit der Person und damit eine wahre und echte Demokratie, die sich nicht auf das formelle Geschehen im Staate beschränken darf, sondern das Leben des einzelnen wie das der Völker tragen und durchdringen soll.
Wir betrachten die hohe Auffassung des Christentums von der Menschenwürde, vom Wert eines jeden einzelnen Menschen als Grundlage und Richtschnur unserer Arbeit im politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben unseres Volkes.«"
Der letzte Bundeskanzler, der Notzeiten aus eigenem Erleben kannte, war Dr. Helmut Kohl, der im Jahr 1990 mit dem Ministerpräsidenten der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, Michail Gorbatschow, schwierige Verhandlungen zur Wiedervereinigung Deutschlands führte und im September 1998 vom deutschen Volk abgewählt wurde.
Die Bundestagswahl 1998 markierte eine Wende in der Geschichte Deutschlands. Parallel zur Entwicklung unserer Republik entstand in Deutschland bei einer im Wohlstand aufwachsenden Generation eine Geisteshaltung, die in dieser Form bisher nicht existierte. Diese neue Ideologie ist mit zahlreichen unterschiedlichen Namen belegt worden. Ich wähle für diese materialistische Geistesströmung, die weite Teile unseres Volkes erfaßt hat, die Bezeichnung "Neohumanismus". Sie soll andeuten, daß der Mensch, sein Wille, seine Ansprüche, seine Forderungen und seine autonomen Maßstäbe im Mittelpunkt der Seinsgestaltung stehen. Im Gegensatz zum klassischen Humanismus, der das Schöne und Gute, das Edle, Hilfreiche und Würdevolle in der Anlage des Menschen zum Ideal erhob, vergöttert der Neohumanismus das Nein zu echten Werten. Die traditionellen Tugenden sind in den Augen der Neohumanisten verabscheuungswürdig. Das Nein zur Verteidigung von Werten, das Nein zum neuen Leben, das Nein zur Familie, das Nein zur Leistungsbereitschaft, das Nein zur Mitverantwortung, das Nein zu Spitzentechnologien, schließlich das Nein zu Gott und zu seinem Sohn Jesus Christus kennzeichnen diese Antibewegung. Der Neohumanismus dünkt uns ein Teil von jenem mephistophelischen Geist zu sein, der stets verneint.
Die neohumanistische Bewegung, die 1968 den langen "Marsch durch die Institutionen" antrat, hat nach 30 Jahren ihr Ziel erreicht. Die neue Bundesregierung ist erstmalig deutlich stärker vom neohumanistischen Menschenbild als vom christlichen Menschenbild geprägt. Damit sind düstere Wolken am Horizont unserer Zukunft aufgetaucht. Ein moralischer, kultureller und wirtschaftlicher Verfall deutet sich an. Was ist in dieser Situation zu tun?
Auch Christen sind Nutznießer unseres freiheitlichen Rechtsstaates. Im Verlauf der Geschichte konnten Christen nicht allzu oft unbehelligt ihres Glaubens leben. Auch Christen sollten sich für die Erhaltung unserer demokratischen Grundordnung einsetzen. Auch Christen gilt die Aufforderung des Propheten, "der Stadt Bestes zu suchen", in die sie hineingestellt sind. Christen ist aufgetragen, prioritär nach dem Gesellschaftssystem Gottes zu trachten. Dennoch sollten sie nach der Bedeutung des Jesuswortes "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist" fragen. Die Obrigkeit ist heute die von den Bürgern gewählte Regierung. Unser Staat braucht nicht nur die Steuern seiner Bürger, sondern auch die aktive Mitarbeit an der Gestaltung unseres Gemeinwesens.
In Deutschland gibt es viele an christlichen Werten orientierte Bürger. Wir dürfen uns durch das Schlagwort vom Wandel der Gesellschaft nicht täuschen lassen. Die Grundwerte der menschlichen Gesellschaft wurden nicht von Menschen erdacht, sondern von ihrem Schöpfer vorgegeben. Sie sind deshalb nicht wandelbar. Die werteorientierten Menschen unserer Zeit sind durch Beruf, Familie und gemeinnützige Tätigkeiten ausgelastet. Sie treten deshalb in der Öffentlichkeit nur wenig in Erscheinung. Viele von ihnen sind vereinzelt. Daraus ergibt sich das erste Ziel des IAVG: Pflege von Kontakten.
Das kritische Nachdenken zahlreicher Zeitgenossen ist durch das Fernsehen gelähmt. Viele können reelle und virtuelle Bilder nicht mehr voneinander unterscheiden. Daraus ergibt sich eine weitere Aufgabe des IAVG: Aufbereitung von Informationen.
Das Übermaß an Daten und Nachrichten führt zur Verwirrung der Bevölkerung. Diese Verwirrung wird von etlichen Medienredakteuren zur Meinungsmanipulation ausgenützt. Damit entsteht eine dritte Aufgabe für den IAVG: Bereitstellung zuverlässiger Informationen.
Zahlreiche Bürger klagen darüber, daß ihre Meinung bei Verantwortungsträgern auf kein Interesse stößt. Hieraus ergibt sich als Aufgabe für den IAVG: Forum für Meinungsäußerung.
Von entscheidender Bedeutung für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaft ist die Bildung einer sachlich fundierten Meinung. Die Meinungsbildung lebt vom Gespräch. Eine schwierige Arbeit für den IAVG wird sein: Diskussion mit Verantwortungsträgern.
Damit sind die Aufgaben des IAVG im Wesentlichen umrissen. Ich möchte kurz noch etwas zur Entstehung des IAVG mitteilen. Der IAVG hat zwei Wurzeln.
Im Jahr 1991 fand sich ein kleiner Kreis von Personen zusammen, der über die Koordinierung von werteorientierten Kräften in unserer Gesellschaft nachdachte. Er nannte sich "Arbeitskreis Christ im Staat e.V." (ACiS). ACiS organisierte eine Reihe von Tagungen zu aktuellen Themen wie Zwei-Reiche-Lehre Luthers, Organisierte Kriminalität in Deutschland, Der Islam in Deutschland, Was wählt der Christ? Die Mitglieder von ACiS waren beruflich überlastet, so daß ACiS in einen mehr lockeren Kreis überführt werden mußte, der nicht von Formalitäten belastet war und "Arbeitskreis für Verantwortung in der Gesellschaft" genannt wurde.
Die andere Wurzel bildete sich im Jahr 1997 in Karaganda, Kasachstan. Viktor Fast, der mich bei Vorträgen an der dortigen Universität übersetzte, regte an, in der Cafeteria des Musiktheaters in Karaganda eine Vortragsveranstaltung für Intellektuelle durchzuführen. Als einladendes Gremium bildeten Diplomingenieur Viktor Fast, Dozent Pawel Kulikow und Peter Derksen, Geschäftsführer einer Druckerei in Karaganda, einen "Arbeitskreis für Verantwortung in der Gesellschaft". Auf Wunsch der Freunde in Karaganda wurde der Kreis in "Internationaler Arbeitskreis für Verantwortung in der Gesellschaft" umbenannt, um Verwechslungen mit einer politischen Partei auszuschließen.
Ein wesentliches Element von IAVG bildet die Nutzung des Internet. Bisher sind 62 IAVG-Internet-Dokumentationen entstanden, die sich mit verschiedenen aktuellen Themen befassen, jedermann zugänglich sind und leicht heruntergeladen werden können. Als Beispiel erwähne ich die von Professor Trauboth Anfang vorigen Jahres erstellten objektiven Kurzfassungen der Wahlprogramme der im Bundestag vertretenen Parteien, die jedem Bürger eine Wahlorientierung ermöglichten. Das Besondere an den IAVG-Internet-Dokumentationen besteht darin, daß sie auch Stellungnahmen von Verantwortungsträgern enthalten, die diskutiert werden. Eine wichtige Aufgabe des Arbeitskreises wird darin bestehen, diese Dokumentation zu verbessern und auszubauen.
Der IAVG soll nicht nur Arbeit, sondern auch Freude machen, Freude an Begegnungen, Freude an unserer trotz aller Düsternis interessanten Gesellschaft, Freude an einer wenn auch geringen Aufhellung von Verworrenheiten in unserem Land. Außerdem gibt es Ermutigungen, die uns dankbar machen. Die beiden offenen Briefe an Bundeskanzler Gerhard Schröder, die wir in diesem Monat in IDEA-Spektrum als Anzeigen veröffentlichten, brachten eine erfreuliche Resonanz. Bewegend sind Telephonate und Briefe, die uns erreicht haben und Hoffnung auf orientierende Kräfte in unserer Gesellschaft zum Ausdruck bringen.
Karlsbad-Langensteinbacherhöhe, den 23. Januar 1999.

(Dr. Hans Penner)